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Villa Durazzo Pallavicini retbaba

Der im Auftrag des Marquis Ignazio Alessandro Pallavicini nach einem Projekt des Architekten, Dekorateurs und Bühnenbildners Michele Canzio gestaltete Park Pallavicini di Pegli ist aufgrund seiner architektonischen, künstlerischen, landschaftlichen und botanischen Merkmale einer der bedeutendsten historischen Gärten Italiens und Europas. Die im Jahr 1840 begonnenen Bauarbeiten dauerten circa zwanzig Jahre, auch wenn der Park am 23. September 1846 zu Anlass des in jenem Jahr stattfindenden Kongresses italienischer Wissenschaftler eingeweiht wurde.

Der Park erstreckt sich auf der unwegsamen Seite des Hügels von Pegli, der komplett verwandelt wurde, um Ebenen, große Wasserbecken und ein Wegenetz zu schaffen, das sich vom Eingang bis auf eine Höhe von 134 Metern hinzieht. Die vorherige Landschaft wurde in einen fein gegliederten romantischen Garten mit theatralisch-narrativer Struktur und philosophisch-freimaurerischem Parcours verwandelt, der nach einer bühnenbildnerisch-initiatischen Erzählung in drei Akten strukturiert wurde; diese Akte bestehen aus jeweils vier Szenen, denen ein Prolog und eine Vorgeschichte vorausgehen, und sie enden mit einem abschließenden Exodus.

Die Komposition bedeckt eine Fläche von circa acht Hektar und kennzeichnet sich durch ihre exotische und einheimische Vegetation, mit der eine emotionsreiche Atmosphäre geschaffen wird; sie umfasst eine große Anlage von Gewässern, darunter zwei Seen, Wasserfälle, Bäche und Brunnen, sowie eine vielfältige Gartenarchitektur im neoklassischen, neugotischen, ländlichen, chinesischen und exotischen Stil.

Der Park wurde im 19. Jahrhundert zu einem Ziel der kulturellen Touristentouren in Europa und zog auch Besucher aus Amerika, Chile und Russland an. Im Jahr 1928 trat ihn Prinzessin Matilde Giustiniani an die Stadt Genua ab. Nach dem letzten Krieg hatte die Stadt Genua den oberen, dem zweiten Akt der Erzählung entsprechenden Teil für die Öffentlichkeit geschlossen und so die mittelalterlichen Bühnenbilder und die imposantesten Gebäude des Komplexes sich selbst überlassen.

Im Jahr 1985 begannen die Architekten Fabio Calvi und Silvana Ghigino dieses ungewöhnliche „interdisziplinäre Meisterwerk“ zu untersuchen und brachten die verschiedenen technischen und philosophischen Merkmale wieder ans Licht. 1992 wurden im gesamten unteren Teil umfangreiche Restaurierungsarbeiten vorgenommen, wobei der obere Teil des Parks mit Schloss und Mausoleum weiterhin ausgenommen blieb; ein neuer fortschreitender Verfall hat diese Arbeiten zunichte gemacht und diesen Teil des Parks in einen Zustand schwerer Verwahrlosung versetzt. Im Jahr 2009 wurden erneut Restaurierungsarbeiten begonnen; diese betrafen sowohl die Bauten als auch das gesamte ausgedehnte Gebiet mit seinen landschaftlichen bühnenbildnerischen und technischen Problemen. Die vorgesehenen Arbeiten wurden inzwischen abgeschlossen; insbesondere wurde der obere, dem zweiten Akt entsprechende Teil des Parks vollständig wiederhergestellt; dieser wurde von Michele Canzio der „Neuinterpretation der Geschichte“ gewidmet und als Fenster zum Mittelalter konzipiert. Zum ersten Mal kann das Publikum erneut den Hügel erklimmen, auf dem das Schloss und das Mausoleum des Kapitäns thronen – herausragende Elemente der beiden esoterischen Bühnenbilder, die den Besucher auf der Reise durch die Unterwelt und dann zum Paradies begleiten, das im dritten Akt dargestellt wird.

Das Restaurierungsprojekt sah die Rückgewinnung der Vegetation durch Neuordnung des Unter- und Buschwalds sowie Austausch und Ergänzung von Bäumen vor, mit dem Ziel der Wiederherstellung der ursprünglichen Bühnenbilder und des Gleichgewichts, das unter der Verwahrlosung gelitten hatte. Wiedergewonnen und zum Teil komplett neu gemacht wurden die wohldurchdachte Sammelanlage der Oberflächengewässer und die Systeme zur Uferkonsolidierung; außerdem wurden die Parcours wiederhergestellt, sowie auch die Wasseranlage, mit Einsatz neuer, in die Erde eingelassener Zisternen mit großem Fassungsvermögen. Es wurden Zäune und drei neue Tore errichtet, die hoffentlich dafür sorgen werden, den Park vor Vandalen, Dieben und nicht-zahlenden Besuchern zu schützen.

Um eine Methode zu finden, die für eine gezielte Instandhaltung sorgt, hat sich die Stadt Genua entschlossen, den Park der Verwaltung Dritter zu überlassen; bei einer diesem Zweck gewidmeten Ausschreibung erhielt den Zuschlag die temporäre Unternehmensgemeinschaft (ATI) „Villa Durazzo Pallavicini“, bestehend aus dem Verein „Associazione Amici di Villa Durazzo Pallavicini“, der Genossenschaft „L'Arco di Giano“ und dem Architektenbüro Ghigino & Associati; die Gemeinschaft vereint in einer Stelle die verschiedenen, für eine auf die Wahrung, Aufwertung und Promotion des Parks ausgerichtete Verwaltung nötigen Kompetenzen.

Die ATI „Villa Durazzo Pallavicini“ hat ein Verwaltungsprogramm für den gesamten Zeitraum der fünfzehnjährigen Vertragsdauer erstellt; das Programm sieht in Zusammenarbeit mit der Verwaltung die ordentliche Instandhaltung der vorhandenen Strukturen und nach und nach die Rückgewinnung aller architektonischen Bauten sowie der Einrichtungsobjekte vor, die noch nicht restauriert wurden. Zu diesen gehören Güter, die einen ganz unterschiedlichen Kostenaufwand erfordern und für welche die ATI eine Finanzierungskampagne in der Öffentlichkeit vorschlägt; noch nicht wiederaufgebaut sind zum Beispiel die drei Holzhütten mit Roggenstrohdach; auch die Fensterläden des Rosenpavillons und die Karussells des Vergnügungsparks sowie die kleine Marienkapelle müssen noch restauriert werden. Ein wichtiger Eingriff betrifft hingegen die Restaurierung der Grotten der Unterwelt, die derzeit aufgrund des Zusammenbruchs einiger Stalaktiten im Gewölbe geschlossen sind.
Der Verein ist bereits seit 2013 ehrenamtlich im Park tätig, im Zuge einer Partnerschaft mit der Stadt, um Führungen durch die offenen Baustellen durchzuführen. In diesen drei Jahren wurden über 13.000 € gesammelt, die vom Verein in die Blumenbepflanzung des „Flora“-Gartens und andere Arbeiten im Park investiert werden. Die inzwischen fast 60 ehrenamtlichen Mitarbeiter engagieren sich täglich im Park; sie jäten Unkraut, fegen die Wege und übernehmen die wichtige Aufgabe, die neu gesetzten Pflanzen zu gießen.